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Supermarket of the Dead

 

Brandopfer in China und der Kult des globalisierten Konsums. Proposition III.

Eine der ältesten Formen chinesischen Volksglaubens erweist sich als lebendiger Brauch, der überall in der Kultur Chinas praktiziert wird: Brandopfer papierener Nachbildungen von Geld und Gütern, die mit dem Verbrennen Ahnen, Göttern und Geistern übergeben werden, um sie günstig zu stimmen oder ihre Nöte zu lindern, denn die chinesische Jenseitsvorstellung verbürgt eine Spiegelung der wirklichen Welt und die Geister der verstorbenen Verwandten sind als empfindungsfähige gedacht.

Diese Papiermodelle haben sich jüngst von der Nachahmung traditioneller Erzeugnisse zu Abbildungen des westlichen Warenhauses gewandelt, denn man will den Angehörigen in der Nachwelt eben jene Güter zukommen lassen, die man selbst begehrt. So entstand eine Gegenwelt aus Papier, in der heute fast alle globalisierten Fetische des Markenkonsums, Gucci-Taschen, Prada-Schuhe, Louis Vuitton-Koffer, Apple-Computer, aber auch Heineken-Bierdosen dem Feuer übergeben werden, um sie den Vorfahren zu widmen.

Ein Supermarket of the Dead in der Festetage des Dresdner Residenzschlosses zeigt diesen gleichermaßen vertrauten wie verfremdeten Warenberg. Sein Anblick gewährt wesentliche Einsichten: Man erkennt die mit dem totalen Weltmarkt erreichte, weltweite Verbindlichkeit der westlichen Verehrung von Markennamen und Luxusgütern. Man sieht, wie schnell sich die chinesische Gesellschaft an einer globalen Ordnung der Bedürfnisse ausgerichtet hat und sie zugleich mit einem mindestens 1300 Jahre alten Ritual verknüpft. Und man wird hingewiesen auf den quasi-sakralen Fetischismus im eigenen Konsum namhafter Markenprodukte, deren Nutzen nicht im Gebrauch, sondern in der ideellen Teilhabe an einem System von Bedeutung besteht – einem magischen Verhältnis also.

 

Ort:
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Residenzschloss, Festetage

Ausstellungstitel:
Supermarket of the Dead. Brandopfer in China
und der Kult des globalisierten Konsums. Proposition III.
Ausstellungszeitraum:
14. März bis 10. Mai 2015
Eingesetzte Projektionssysteme:
14 x Derksen PHOS mini projizieren die Kommentare zur Ausstellung

Ausstellungskurator:
Wolfgang Scheppe
Ausstellungsgestaltung:
Wolfgang Scheppe, Sara Codutti
Producing:
Klinkenbusch + Kunze
Lichtplanung:
Paul Göschel

Fotocredits:
#01: © SKD, Foto: Adrian Sauer
#02, #03: © SKD, Fotos: SKD