Die Kathedrale Notre-Dame de Paris, eines der bedeutendsten Bauwerke der Gotik und spirituelles Herz Frankreichs, erstrahlt in neuem Licht – im wahrsten Sinne des Wortes. Nach vier Jahren intensiver Arbeit haben der Lichtkünstler Patrick Rimoux und der Projektleiter Shantidas Riedacker eine Lichtinstallation geschaffen, die nicht nur technisch beeindruckt, sondern auch die spirituelle Tiefe des Ortes neu inszeniert. Die „Symphonie der Lichter“ verbindet modernste Technologie mit jahrhundertealter Symbolik.
Die neue Beleuchtungsanlage umfasst 2.175 Punktlichter und 1.550 Scheinwerfer, die über ein zentrales Steuerungssystem individuell angepasst werden können. Insgesamt stehen 50 verschiedene Lichtszenarien zur Verfügung – darunter architektonische, liturgische und Konzertszenarien. Diese ermöglichen es, die Atmosphäre der Kathedrale flexibel an verschiedene Anlässe anzupassen: von festlichen Hochämtern bis hin zu stillen Momenten der Kontemplation.
Licht hat in Notre-Dame seit jeher eine zentrale Bedeutung. Über Jahrhunderte hinweg war das Kerzenlicht ein Symbol für die göttliche Präsenz und ein Zeichen der Hoffnung. Rimoux beschreibt diese Tradition eindrucksvoll: „Jahrhundertelang war das einzige Licht, das die Dunkelheit nachts vertreiben konnte, das Licht der Kerzen. Es stand ganz nah am Boden, inmitten der Menschen, und ermöglichte ihnen, zu lesen oder umherzugehen.“ Er betont die spirituelle Dimension dieses Lichts: „Diese Kerzen stellten das Symbol der Gegenwart Christi inmitten der Menschen dar.“
Heute ermöglichen moderne LEDs eine präzise Steuerung von Intensität, Farbtemperatur, Richtung und Streuung. Die Farbtemperaturen reichen von warmweißen 2.200 Kelvin, die an Kerzenschein erinnern, bis zu kaltweißen 5.000 Kelvin, die eine sachlichere Atmosphäre schaffen. Statuen, Gemälde, Teile des Altars und architektonische Elemente werden von mehr als 200 PHOS-Projektoren aus großer Distanz konturenscharf beleuchtet. Diese technische Raffinesse erlaubt es, das Licht als künstlerisches und spirituelles Ausdrucksmittel neu zu interpretieren.
Für Rimoux ist das Licht mehr als nur ein Gestaltungselement – es ist ein zentrales Ausdrucksmittel der Kathedrale: „Die Geschichte der Kathedrale Notre-Dame fortzusetzen, bedeutet auch, die Geschichte ihres Dialogs mit dem Licht fortzusetzen, das von Menschen im Herzen der Finsternis geschaffen wurde.“ Die neue Lichtinstallation ist somit nicht nur eine technische Modernisierung – sie ist eine Hommage an die Geschichte der Kathedrale und an das Licht selbst, das seit Jahrhunderten als „Seele von Notre-Dame“ gilt. Sie lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, die Kathedrale in einem neuen Licht zu sehen – im wahrsten Sinne des Wortes.
Lichtplanung: Agence Patrick Rimoux
Projektleitung: Shantidas Riedacker
Installation: Gaudillère et Cie, Olivier Rocabois






